SCHATTEN UND LICHT – EIN WECHSELSPIEL

„Siehst du einen Riesen, so prüfe den Stand der Sonne und gib Acht, ob es nicht der Schatten eines Zwerges ist.“ (Novalis)

Gern lässt man sich bei gleißendem Sonnenlicht im Schatten eines Baumes nieder, findet dort Zuflucht und Erholung. Auf der Sonnenuhr zeigt der Schatten die Stunde an – aber eben nur wenn die Sonne scheint. Der Platz an der Sonne bedeutet im Zentrum des Geschehens, der Macht, zu sein und gesehen zu werden. Je nach Art der Lichtquelle sieht dann alles oft ganz anders aus. Die Schattenseite ist Ort des Rückzugs, des Nicht-Gesehen-Werdens oder gar der Verbannung. Ovid, der vor genau 2000 Jahren in der Verbannung gestorben ist, macht den Sänger Orpheus zum Wanderer zwischen den Welten: der des Lichtes und der der Schatten. Die Lyra spielend, singend. Im antiken Griechenland war Apollo der Gott der Sonne und der Musik. Musik bringt das Wechselspiel zwischen den hellen und den dunklen Seiten der Seele zum Ausdruck. Vielfältige Musikstile und hell-dunkle Klangfarben leuchten auch im Via Iulia Augusta Konzertsommer 2018. Fein abgestimmt wie im Chiaroscuro der Malerei der Spätrenaissance und des Barock werden die Dualität von Licht und Schatten und die Nuancen dazwischen hörbar und spürbar. Auf dem Programm stehen zum ersten Mal auch eine Oper – Mozarts „Le Nozze di Figaro“ – und ein „Lichtspielkonzert“ mit dem live gespielten Soundtrack zu 14 italienischen Kinoklassikern. Ein Konzert findet auf der sogenannten „Schattseit‘n“ des oberen Gailtals in einem Schloss statt, ein anderes auf der sonnigen Waldlichtung vor einer kleinen Kirche.
In Zeiten überhitzter Debatten wird Musik zum wohltuenden Schattenspender. Vielleicht geht uns mitten im Erlebnis der Klangfülle ein Licht auf? Gut möglich auch, dass eine Sehnsucht in uns erwacht, über den eigenen Schatten zu springen.

Das Team des Via Iulia Augusta Konzertsommers freut sich auf Ihren Konzertbesuch!n.